Das verflixte erste Schuljahr

Es ist vorbei. Es ist geschafft. Adam hat es geschafft. Wir haben es geschafft. Als Team. Das erste Schuljahr hat Adam hinter sich. Nach den Sommerferien ist er ein Zweitklässler. Und obwohl er genauso lesen und schreiben gelernt hat, wie Generationen vor ihm, war es dennoch ganz anders.

Das erste Schuljahr hat uns einiges an Nerven gekostet. Insgesamt verbrachte Adam zwar nur rund 8 Wochen im Homeschooling, aber auch einen Großteil der so wichtigen Vorschulzeit hat er vor einem Jahr zu Beginn der Pandemie zu Hause verbracht. Und nun bringt er trotz aller Umstände ein bombastisches Zeugnis nach Hause. In der ersten Klasse ist das zwar nur eine textliche Bewertung ohne Noten, aber wir sind mächtig stolz auf den Großen.

Doch zurück an den Anfang. Am 31. August 2020 betrat Adam zum ersten Mal seinen Klassenraum mit gepacktem Ranzen, Turnbeutel, Brotdose und – Mundschutz. Den Mundschutz durfte er im Klassenraum abnehmen, aber er ist seitdem dennoch ein ständiger Begleiter im Schulalltag. Durften es anfangs noch schön bunte Stoffmasken sein, gehören seit einem halben Jahr medizinische Masken genauso zum täglichen Mappe-Packen wie Brotdose und Trinkflasche. Ich habe ja noch keine Hoffnung, dass wir uns sobald von den Masken verabschieden können. Aber ich habe festgestellt, dass Kinder viel weniger darüber nörgeln, als ewig meckernde Erwachsene.

Schon in den allerersten Schulwochen lernte Adam unglaublich viel. Er sog das Wissen um Buchstaben und Zahlen förmlich auf. Er war stolz darauf, Wörter nun selbst lesen zu können oder beim Kniffeln seine Würfel selbst zusammenrechnen zu können. Auch als es nach kurzer Zeit eine durchaus holprige Situation mit ein paar halbstarken, von sich selbst ablenkenden Viertklässlern gab, die auch absolut dazu hätte führen können, dass Adam die Schule total ablehnt. Aber seine Klassenlehrerin hat das wirklich toll gelöst und ich bin ihr dafür immer noch sehr dankbar. Adam geht gern zur Schule, hat neue Freunde gefunden, alte Kindergartenfreunde behalten und ist auf dem Schulhof meistens auf dem Fußballfeld zu finden. Sport ist eben sein Ding. Nach wie vor. Auch deshalb fiel ihm das Stillsitzen während des Unterrichts anfangs schwer, dafür nutzte er die großen Pausen und die Hortzeit aber umso mehr. Die ersten Monate liefen also sehr gut. Auch Fußball und Tennis ließen sich in den neuen Alltag integrieren. Obwohl die Umstellung auf ein Schulkind mit Hobbies und Freunden und einem Krippenkind mit Physio- und Ergotherapien neben der Arbeit viel Planung erforderte. Aber wir haben uns alle 4 reingefuchst und es lief wie am Schnürchen.

Und dann kam der Lockdown. Kurz vor Weihnachten hieß es für Adam und seine Klasse ab nach Hause. Bis Mitte Februar musste also Papa in die Rolle des Lehrers schlüpfen, neben Homeschooling das Krippenkind wuppen, während Mama zur Arbeit musste. Für uns alle eine schwere Zeit. Auch ich bin der Meinung, dass die Politik gar nicht ermessen kann, was sie den Familien und vor allem den Kindern mit den Maßnahmen angetan hat. Aber das war nunmal nicht unsere Entscheidung und wir mussten alle da durch. Unser größter Vorteil: Adams Gier nach neuem Wissen. Im Gegensatz zu einigen Klassenkameraden hat Adam sehr gern seine Aufgaben gemacht, mit Freude den Wochenplan abgehakt und war (fast) immer motiviert dabei, ohne dass wir ihn zwingen mussten.

Doch nicht nur Adams Wissbegier war für uns von Vorteil. Auch das Konzept, nach dem er in der Grundschule lernt. Denn Adam lernt nicht in einem geschlossenen Klassenverband, sondern in so genannten „Lerngruppen“. Das Konzept der Ganztagsgrundschule ist an Montessori angelehnt und wird immer nur für eine Klasse angeboten. Für Adam bedeutet das, dass er jeden Morgen zwei Stunden „Kernunterricht“ mit der Klassenlehrerin hat. Dort wird der Grundstoff vermittelt und der Wochenplan besprochen. Mit dem Wochenplan geht Adam dann in seine Lerngruppe. An jedem Tischen sitzen ein Erst-, ein Zweit-, ein Dritt- und ein Viertklässler, die zusammen ein Team bilden. Der Wochenplan sieht für jedes Kind der Klasse anders aus, je nachdem, wie weit die Aufgaben aus der Vorwoche abgearbeitet werden konnten. Anhand der Seitenzahlen erarbeitet die Lehrerin dann die Pläne für die neue Woche und kann sich am Lernstand jedes einzelnen Kindes orientieren. Wer mit seinen Aufgaben fertig ist, kann sich Zusatzaufgaben an der so genannten Lerntheke holen oder auch mal am Tablet mit der Anton-App arbeiten.

Innerhalb dieses Systems hat Adam sehr schnell gelernt, selbstständig zu arbeiten, Pläne abzuarbeiten und wählte selbst aus, ob er zuerst Mathe oder Deutsch macht. Hauptsache, die Aufgaben waren erledigt.
Und obwohl ich nie wollte, dass Adam in diese Klasse kommt, bin ich jetzt im Nachhinein froh, dass er dort reingerutscht ist. Wir wissen immer noch nicht, wie genau das passiert ist, aber vielleicht haben die Schulleiterin und die Lehrerin gesehen, dass dieses System genau das richtige für Adam sein würde.
Obwohl das Homeschooling im Januar und Februar ziemlich gut geklappt hat, haben wir uns dann Mitte Februar doch dazu entschieden, unseren Anspruch auf Notbetreuung auch zu nutzen. Denn Adam zeigte deutlich, wie sehr ihm die sozialen Kontakte zu seinen Freunden fehlten, wurde unzufriedener und äußerte häufig, wie gern er wieder in Schule gehen würde. Die Pandemie hat den Kindern viel genommen, da wollten wir Adam seine Freunde nicht weiter vorenthalten.

Und so ging er nach den Februarferien wieder in die Schule. Ins Notbetreuungssystem. Immer noch mit den Wochenplänen, aber ohne den täglichen Austausch mit den oberen Klassen. Die Lerngruppen bildeten sich jetzt ausschließlich aus den Erstklässlern. Aber auch das hat anscheinend wunderbar funktioniert. Denn im letzten Wochenplan hat die Klassenlehrerin für uns Eltern die Information geschrieben, dass alle Schülerinnen und Schüler den Stoff der ersten Klasse geschafft hätten, alle Aufgaben jetzt nur noch Zusatz wären. Anders als in anderen Klassen oder Schulen hat die Pandemie also in Adams Klasse nicht dazu geführt, dass Kinder den Anschluss verloren haben. Ganz im Gegenteil. Adam erzählte zu Hause nämlich noch ganz stolz, dass seine Lehrerin den Kindern sagte, dass sie noch nie zuvor eine so lesestarke Klasse gehabt hätte. Der Lesewettbewerb vor zwei Wochen hat dies wohl gezeigt. Da kann man als Eltern doch nur stolz auf seine Kinder sein.

Trotz aller Erfolge ist es unglaublich schade, dass so viele wichtige Aktivitäten des Schuljahres ausgefallen sind. Keine Klassenfahrt, keine Fahrradwoche mit Fahrradprüfung, keine Übernachtung im Klassenzimmer, keine Sportfeste, monatelang kein Singen im Musikunterricht, keine Arbeitsgemeinschaften. Dinge, die einfach zum Schulbesuch gehören, auf die die Kinder hinfiebern und vom Erlebten zehren können. Dennoch haben die Kinder vieles davon klaglos hingenommen, die Maske gerichtet und einfach weitergemacht. Daran hätten sich viele Erwachsene echt ein Beispiel nehmen können, statt immer nur zu meckern und sich an nichts zu halten. Immerhin konnte letzte Woche der erste Wandertag ins Freibad stattfinden. Ein kleiner Lichtstreif am Horizont der Normalität, der sich hoffentlich nach den Sommerferien verstärken wird. Es wäre den Mädchen und Jungen in der nächsten Klasse auf jeden Fall zu wünschen.


Aber jetzt starten bei uns erstmal die wohlverdienten Sommerferien!

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