Gestationsdiabetes – Schluss mit der Schlemmerei

„Ich gebe Ihnen eine Überweisung zur Diabetologin“ – vor etwas mehr als zwei Wochen saß ich beim Frauenarzt und hörte diese Worte nach dem großen Zuckertest. Anfangs konnte ich damit gar nicht so viel anfangen und habe der Überweisung keine große Bedeutung beigemessen. Schließlich war nur der Nüchternwert minimal erhöht, die anderen beiden Werte absolut im Normalbereich. Und so dachte ich, dass das nur ein Kontrolltermin werden würde. Noch am selben Tag wollte ich mir einen Termin bei der Diabetologin holen und durfte gleich in der Praxis sitzen bleiben. 
Als ich die Praxis dann eine Stunde später wieder verließ, hatte ich nicht nur eine Ernährungsschulung hinter mir, sondern war auch stolze Besitzerin eines Blutzuckermessgerätes inklusive Tagebuch, Teststreifen und Nadeln. Und plötzlich war es Realität – ich habe Gestationsdiabetes und muss den Rest der Schwangerschaft sechsmal täglich meinen Blutzucker messen. Immer vor den drei Hauptmahlzeiten und jeweils eine Stunde nach dem Essen. Die Werte werden in einem Tagebuch festgehalten und alle zwei Wochen von der Diabetologin kontrolliert.

Bei Gestationsdiabetes oder Schwangerschaftsdiabetes hat man keine körperlichen Beschwerden und würde es selbst niemals bemerken, wenn es nicht die Tests beim Frauenarzt geben würde. Allerdings kann diese Krankheit schwere Komplikationen für Mutter und Kind haben, wenn sie nicht behandelt wird. Der Körper der Mama und ihr gesamter Stoffwechsel müssen während der Schwangerschaft große Belastungen überstehen – unter anderem auch den Anstieg der Schwangerschaftshormone, die den Insulinbedarf deutlich in die Höhe steigen lassen. Man braucht als werdende Mama also mehr Insulin. Wenn der eigene Körper diesen Bedarf nicht selbst ausgleichen kann, steigt der Blutzuckerwert, auch beim Baby. Wenn bei mir also der Blutzuckerspiegel permanent zu hoch ist, dann ist es der Wert meines Babys auch und es muss selbst mehr Insulin produzieren. Wenn das passiert, wächst das Baby überproportional, was allerdings kein gesundes Wachstum mehr wäre. Es könnte zu einer schwachen Lunge oder Fehlbildungen am Herzen führen und zu Geburtstkomplikationen. Außerdem kann ein Schwangerschaftsdiabetes dazu führen, dass sowohl Mutter als auch Kind ein erhöhtes Risiko haben, später selbst an Diabetes zu erkranken.


Mit diesen Erkenntnissen und einem neuen Blick auf meine bisherige Ernährung verließ ich also die Praxis der Diabetologin. Und ganz ehrlich – im Auto hätte ich heulen können. Ich war nun eine Risikoschwangere. Es lagen noch 12 Wochen Schwangerschaft mit allerlei ernährungstechnischen Einschränkungen vor mir. Außerdem kann Schwangerschaftsdiabetes die Wahrscheinlichkeit für eine Präemklampsie deutlich erhöhen – eine Komplikation, die ich bei Adam hatte, die am Ende für uns beide gefährlich war und die ich durch eine tägliche Tablette ASS zu verhindern versuche. 

In den ersten Tagen nach der Diagnose musste ich mich nun also mit meinen bisherigen Essgewohnheiten auseinandersetzen. Kohlenhydrate werden nun streng nach Broteinheiten reglementiert. Statt Weizenbrötchen mit Marmelade oder Nutella gibt es nur noch Roggen- oder Vollkornbrötchen mit Käse oder ein Omelette zum Frühstück. Statt Unmengen an Obst gibt es nun mehr Gemüse. Und auch meine heißgeliebten Gummibärchen, Marzipankugeln und Kekse müssen bis nach der Geburt warten. Von meiner täglichen Portion Spezi, für die ich in der Schwangerschaft eine besondere Sucht entwickelt habe, ganz zu schweigen. 


So ungefähr sieht nun meine tägliche Einteilung der Broteinheiten aus, wobei eine Broteinheit ungefähr 12g Kohlenhydraten entspricht:
In der ersten Woche habe ich Süßigkeiten, Brot und Kartoffeln gänzlich vom Speiseplan gestrichen. Nur um danach festzustellen, dass die Blutzuckerwerte zwar deutlich gesunken, aber nun wieder viel zu niedrig waren. Zu niedrige Werte können Wehen auslösen, daher musste ich Kohlenhydrate doch wieder mehr in die Mahlzeiten integrieren. Also begann ich langsam zu experimentieren. Mittlerweile habe ich eine Roggenbrotsorte gefunden, die meinen Blutzucker in Grenzen hält und eine Alternative zu Rührei darstellt. Als Zwischenmahlzeit gibt es vormittags immer einen Naturjoghurt mit Beeren. Was ich mittags esse, variiert je nach Höhe des Blutzuckerwertes. Ist er sehr niedrig, kommen zu Gemüse und Fleisch noch Kartoffeln dazu. Ist er schon vor dem Essen hoch, lasse ich Kohlenhydrate größtenteils weg. So hangele ich mich durch den Tag und habe mittlerweile einen guten Sinn dafür entwickelt, was mein Blutzucker gut verträgt und was nicht. Daher ist nachmittags auch schonmal ein Magnum Mini, ein Duplo oder ein Stück Schokolade als Zwischenmahlzeit drin. Einige vertragen Obst nicht gut, bei mir sind die Werte auch nach einer Nektarine oder einem Apfel noch in Ordnung. Dafür lassen Nudeln bei mir den Blutzucker in die Höhe schnellen, während drei Kartoffeln pro Mahlzeit super funktionieren. Jede Betroffene muss also selbst austesten, was sie am besten verträgt. Es gibt für alles eine „gesunde“ Alternative, die man aber erstmal finden muss oder in Nährwerttabellen zufällig entdeckt.
Mein Fazit nach zwei Wochen:
 
Ich habe mich damit abgefunden, im letzten Drittel der Schwangerschaft auf die meisten Gelüste zu verzichten, keine Riesenportionen mehr zu essen und auf eine sehr gesunde Ernährung zu achten. Außerdem muss ich jetzt täglich sechs Mahlzeiten essen und sollte die Zeiten auch ungefähr einhalten. Und natürlich muss ich Vieles verzichten, das kann man gar nicht schönreden. Früher habe ich ganz locker eine ganze Ananas verdrückt, heute geht nur noch eine Scheibe. Ebenso verhält es sich mit Melone oder einer Packung Nektarinen. Oder ich habe über den Tag verteilt eine Tafel Schokolade vernichtet. Jetzt geht das leider nicht mehr. Dafür fühle ich mich aber durch die umgestellte Ernährung weniger schwerfällig, müde und vollgefressen. Bisher habe ich auch ein Kilogramm abgenommen, wo ich doch eigentlich ordentlich zulegen sollte. Im achten Monat beträgt die gesamte Gewichtszunahme nun 5 Kilogramm. Damit bin ich ziemlich zufrieden. Man muss einfach das Beste aus einem Schwangerschaftsdiabetes machen und dennoch versuchen, sein Essen weiter genießen. 
 

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